Expeditionen

Marokko März 2016
Nach Afrika zu fliegen, um dort Skitouren zu gehen, mag etwas verwundern.
1. Woche:

Nach Afrika zu fliegen, um dort Skitouren zu gehen, mag etwas verwundern. Bei näherer Betrachtung jedoch erschien mir die Idee, die mich binnen ein paar Tagen von den hohen Bergen in den heißen Wüstensand katapultierte, durchaus erfrischend.

Anfang März 2016 landete ich in Marrakech. Sonnenschein mit angenehmen Temperaturen erwarteten mich. Mit einem Kleinbus wurden wir (12 Teilnehmer) in die Stadt gebracht. Am Abend streiften wir durch die verwundenen Gassen der Stadt, bestaunten die feinen Waren der Handwerksbetriebe und genossen ein köstliches Essen in der Medina (Altstadt).

Skitouren im Hohen Atlas mit Besteigung des Jebel Toubkal (4.167m)

Am nächsten Tag fuhren wir in das 60 km entfernte, romantische Bergdorf Imlil (1770 m). Kleine Geschäfte und einfache Restaurants säumen den Weg. Kinder bestaunten uns mit großen Augen. In engen Serpentinen ging es langsam in den kleinen Ort Armed (2.000 m). Die Siedlung ist in einem Hang gebaut. Die Gassen sind eng, verwinkelt und mit hohen Stufen durchsetzt. Walnussbäume umrahmen die Siedlung. Kleine Felder mit saftigem Grün setzen steinmauerumrahmt farbliche Akzente in die Landschaft. Frauen trugen, verschnürt in einem Tuch, Reisig und dünne Äste auf dem Rücken. Marrakech mit seinem geschäftigen Treiben war in meinen Gedanken schon weit weg.

Wir bezogen eine einfache Unterkunft. Nach einem köstlichen Abendessen, erfreute ich mich am einzigen Komfort an diesem Ort, meinen wohlig warmen Carinthia-Schlafsack. Am nächsten Tag folgten wir einem ausgetrockneten Flusslauf. Auf schmalen Pfaden, auf denen sich auch die Lasttiere plagten, erreichten wir den Wallfahrtsort Sidi Chamharouch (2.310 m). Bis hierher transportierten Maultiere unsere schweren Reisetaschen. Nach dem Genuss eines frischgepressten Orangensaftes, packte ich meine Skischuhe aus, schulterte die Tourenski und folgte dem schmalen, steilen Fußweg. Das restliche Gepäck wurde von Trägern in Knochenarbeit zur Hütte gebracht. Auf ca. 2.800 m konnten wir mit unseren Skiern den Aufstieg fortsetzen. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Die Toubkal-Hütte (3.200 m) ist aus massivem Stein gebaut. Die Schlafräume sind dunkel und in den folgenden Tagen mussten wir mit dem Notwendigsten auskommen. In Momenten wie diesen, erkenne ich wie wenig man braucht: Essen, Wasser und einen trockenen und warmen Schlafplatz. Gerade hier spielt eine gute Ausrüstung eine entscheidende Rolle. Jedes Detail ist wichtig. Wärmt der Schlafsack ausreichend, passt die Jacke, ist sie winddicht, lassen sich die Verschlüsse leicht öffnen und verfügt sie über genügend Taschen? Ich hatte alles dabei und besonders meine Produkte von Carinthia (Gelee, Jacke und Schlafsack) leisteten mir beste Dienste.

Nach zwei Touren waren wir bereit für den Jebel Toubkal. Als wir vor die Hütte traten, war der Schnee noch hart und der Himmel schon tiefblau. Die ersten Höhenmeter trugen wir die Skier. An diesem Tag trafen wir viele Bergsteiger. Manchmal musste ich schmunzeln, denn die Ausrüstungsvarianten waren teilweise recht dreist. Ein flottes Duo überholte mich. Einer hatte keine Steigeisen und der andere solche, die man mit einem Gummiband an den Schuhen befestigt. Nach einer langen Hangquerung marschierten wir mit den Skiern weiter. An diesem Tag waren Harsteisen unerlässlich. Kehre um Kehre ging es höher. Auf 2.800 m legten wir ein Skidepot an. Felspassagen wechselten sich mit kurzen, teilweise steilen, Schneefeldern ab. Von dort marschierten wir mit Steigeisen weiter. Nach einer luftigen Hangquerung standen wir am höchsten Punkt von Nordafrika, am Jebel Toubkal (4.167 m). An diesem Tag waren die Bedingungen einfach perfekt: Der Wind wehte schwach und die Sicht war atemberaubend. Statt eines Kreuzes befindet sich eine Konstruktion aus drei Eisenstangen am Gipfel. Wir waren bester Stimmung. Ein Gruppe von Holländerinnen feierte mit extra angefertigten T-Shirts überschwänglich ihre erfolgreiche Besteigung. In diesen Momenten versuchte ich ein paar Minuten Ruhe zu finden, ohne Gespräch oder Foto. Ich atmete diesen wunderbaren Augenblick ein. Getragen von der Freude über diese Leistung spürte ich eine große Dankbarkeit für solche einprägsamen Erinnerungen. Über eine andere Route erreichten wir wieder unser Skilager. Der Schnee war leicht aufgefirnt und bot eine perfekte Unterlage für ein paar feine Kurven. Nach einer guten Stunde setzen wir zum Einkehrschwung an. Ein prachtvoller, unvergesslicher Tag neigte sich dem Ende zu.


2. Woche

Marrakech - Quarzazate - M´hamid - Erg Chigaga - Quarzazate - Tinerhir - Beni Mellal - Marrakech

Es war Sonntag und mein Reisepartner Wolfgang erwartete mich im Hotel. Am nächsten Tag holten wir das Mietauto ab und fuhren Richtung Süden. Kurve um Kurve ging es höher auf dem Tizi n`Tichka Paß (2.260.m). Wir tauchten wieder in den Hohen Atlas ein. Kurz vor Quarzazate (Warsasat) besuchten wir das Wehrdorf von Ait Benhaddou. Wir überquerten ein breites, teilweise trockenes Flussbett und schritten durch ein mächtiges Tor in enge, staubige Gassen. Ich fühlte mich weit in die Vergangenheit zurückversetzt. Dieser Ort erregte Aufmerksamkeit durch Kinofilme wie Lawrence von Arabien oder Gladiator. In Quarzazate verbrachten wir eine Nacht in einer ganz exklusiven Unterkunft. Der Franzose Jean Pierre hat sich mit seinem Dar Daif (Dar = Haus) einen ganz besonderen Lebenstraum erfüllt. Was von außen schlicht und einfach wirkt, besticht im Inneren durch Schönheit und Raffinesse. Nach einem fürstlichen Frühstück auf einer zierlichen Terrasse im Freien fuhren wir nach M`hamid. Die Oase am Ende der N9 ist das Tor in die Wüste. Nach einer Nacht in einem Kasbah (Festung aus Lehm) brachte uns Abdul mit einem starken Allradauto über eine einsame Felswüste nach Erg Chigaga. Am späten Nachmittag erreichten wir unser Camp, das in einer Mulde lag.

Eine Lehmhütte mit sieben kleineren und einem größeren Esszelt standen in der Einsamkeit des größten Sandmeeres von Marokko. Gegen Abend wuchsen die Schatten und das natürliche Gemälde aus Sand wurde in warmes, rotes Licht getaucht: Ein Paradies für Fotografen. Da die Temperaturen im Zelt auf knapp fünf Grad Celsius fielen, verschaffte mir mein Carinthia-Schlafsack einen angenehme, kuschelige Nacht. Ich habe schon einiges gesehen und erlebt, Wüsten jedoch üben immer eine starke Anziehung auf mich aus. 1995 war ich im Herzen der Namib. Die Steinwüsten von Island faszinierten mich ebenso. Es ist vielleicht das Überdimensionale, die Weite, die scheinbar bis zur Unendlichkeit führt. Nach einer weiteren Nacht im Dar Daif gelangten wir nach Tinerhir. Am Ende unserer Reise bestaunten wir die Todraschlucht. Nach einer engen Passage mit hunderten Metern hohen Kalksteinwänden ging es stetig bergauf. Wilde trockene Täler, einsame Dörfer aus Lehm, in denen Frauen in bunten Gewändern ihre Wäsche in bitterkalten Bächen wuschen und viel unberührte Natur waren unsere ständigen Begleiter. Nach dem Tizi n` Tirherhouzine Paß (2706m) ging es wieder leicht bergab. Auf gut asphaltierten Straßen zogen wir unsere Bahnen durch die Landschaft. Kaum Autos, wenig Touristen und ab und zu ein paar Esel brachten uns ein wenig Abwechslung.

Im Berberdorf Imilchil legten wir ein Rast ein. Der Ort ist klein, staubig und mit reger Geschäftigkeit durchzogen. Meistens nehme ich in diesen Momenten meine Kamera, stelle mich abseits vom Trubel an eine Mauer und warte. Ein Teleobjektiv leistet hier unschätzbare Dienste. Das Dorfleben nimmt seinen Lauf und ich schnappe mir schnell und entschlossen ein paar Sequenzen heraus. Bilder, die das Leben zeichnet. Ich liebe diese Augenblicke. Am Nachmittag gelangten wir zu einer großen Straßenbaustelle, die uns kilometerweit begleitete. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Beni Mellal. Am nächsten Tag legten wir noch ca. 200 km zurück und kehrten wohlbehalten nach Marrakech zurück. So wie am ersten Abend, nach meiner Ankunft in Marokko, flanierten wir über den riesengroßen Patz Djemaa el-Fna. Die Stadt zieht uns wieder in ihren Bann. Verkäufer, Gaukler und Schlangenbeschwörer erschaffen ein unnachahmliches Flair. Ein Zauber von 1000 und drei Nächten liegt in der Luft und wir mittendrinn!

von Raimund Napetschnig



 

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