Expeditionen

Shisha Pangma & Mount Everest Expedition 2011
Traum und Erfüllung

Shisha Pangma 8013 m & Mt. Everest 8850 m 2011
Traum und Erfüllung

Shisha Pangma 8013 m & Mt. Everest 8850 m 2011

Von Helmut Ortner

Ausrüstung dieser Expedition: ECC Expedition 1200 (DIScover), Downy Extreme Overall, Downy Extreme Mittens

Sieben Jahre waren vergangen, seit ich das letzte Mal zu den höchsten Bergen der Welt aufbrach. Die Kangchendzönga Nordwand konnte ich 2004 durchsteigen. Schließlich fehlten mir nur rund 30 Höhenmeter zum höchsten Punkt, vielleicht auch deshalb, weil das Unternehmen nicht sehr rund lief und es innerhalb der Mannschaft zu Spannungen gekommen war. Ich kam nach Hause und hatte vom Expeditionsbergsteigen für Erste genug, vor allem wollte ich nicht mehr selbst als Organisator für eine Mannschaft verantwortlich sein. Auch andere Ziele kamen in den Vordergrund, mit meiner Familie übernahm ich 2006  die Wolayerseehütte und diese füllte uns mit Arbeit vollkommen aus.

Mit der Zeit packte mich aber wieder das Reisefieber. Der lange in meinen Überlegungen überhaupt keine Rolle spielende Mount Everest wurde nun zum Objekt der Begierde, ja er nahm mich sogar in Beschlag. Ich redete mit möglichen Partnern, denn an ein alleiniges Aufbrechen dachte ich nicht im Entferntesten!

Im Dezember 2010 fasste ich schließlich den Entschluss, es doch alleine zu versuchen und plötzlich klappte alles wie am Schnürchen. Die Organisation war schnell erledigt und in meinen Geschäftspartnern fand ich Sponsoren, die mich toll unterstützten. Die Shisha Pangma, als niedrigster Achttausender, wollte ich zu Akklimatisationszwecken zuerst besteigen, danach sollte der Mount Everest ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff folgen!

Die Wintermonate vergingen schnell. Durch die Arbeit als Bergführer und das intensive Training kam die Familie sicher etwas zu kurz. Zum Schluss konnte ich kaum noch erwarten, dass es los ging, denn ich fühlte mich physisch wie psychisch in einer Top-Verfassung.

Am 12. April 2011 nahm ich trotz schweren Herzens Abschied von meiner Frau Manuela und den Kindern Tamara und Stefan. In Kathmandu angekommen erwartete mich Namkha, unser nepalesischer Mitarbeiter, der mir die folgenden zwei Tage bei den letzten Vorbereitungen half. Mit Asian Trekking hatte ich eine renommierte Agentur gewählt, die mir die Logistik für die beiden Basislager stellte. An der Shisha Pangma waren lediglich noch zwei Spanier neben dem Koch und seinem Helfer sowie einem Hochträger dabei. Gemeinsam reisten wir hinauf ins tibetische Hochland und in Nyalam auf 3600 Metern verbrachten wir zwei Nächte zur Akklimatisation. Ein Ausflug führte mich hinauf auf 4500 Meter und die ersten hohen Berge wurden sichtbar. In wenigen Stunden Fahrzeit gelangten wir daraufhin in das Basislager der Shisha Pangma auf 5000 Metern. Dort war die motorisierte Reise zu Ende und für vier Nächte schlugen wir hier unsere Zelte auf. Wie Ende April üblich, war es sehr windig und auch kalt. Ein langer Fußmarsch führte uns schließlich hinauf in das ABC auf 5650 Metern und von dort begann die eigentliche Gipfelbesteigung, welche ich mit Schiern ausführen wollte.

Mein Plan war, um den 10. Mai den Gipfel der Shisha Pangma zu erreichen und dann zum Mount Everest zu fahren. Die Expedition lief von Anfang an perfekt! Schon am 6. Mai konnte ich den Gipfel erreichen und anschließend mit den Schiern abfahren. An diesem Tag hatte ich das Glück, dass mich Rainer Jahn, ein deutscher Bergsteiger, begleitete und wir uns das Spuren im tiefen Schnee teilen konnten. Leider blieb uns der etwas höhere Hauptgipfel wegen großer Lawinengefahr verwehrt und wir gaben uns mit dem Zentralgipfel auf 8013 Metern zufrieden. Die darauffolgende Abfahrt im besten Pulverschnee entschädigte uns jedoch dafür. Nach 36 Stunden war ich wieder zurück im Basislager. Beinahe hätte ich mir wegen der großen Kälte - am Gipfeltag hatten wir 30 Grad minus auf 7000 Metern - Erfrierungen an Händen und Füßen zugezogen. Damit wäre das weitere Unternehmen in Gefahr geraten.

Bereits am 12.Mai traf ich im Mount Everest Basislager ein, eine ganz andere Welt! Waren es an der Shisha Pangma ein paar wenige Zelte, so erwartete mich hier eine riesige Zeltstadt, in der über zwei Monate lang rund 400 Personen leben und versuchen, den höchsten Punkt unserer Erde zu erreichen. Zudem kommen täglich Touristen aus aller Welt, um einmal den Mount Everest aus der Nähe zu bewundern. Damit sie keine Probleme mit der Höhe bekommen, führen sie kleine Dosen mit Sauerstoff mit und geben sich alle paar Minuten eine Sauerstoffdusche.

Zur gleichen Zeit mit mir traf auch der Schweizer Spitzenbergsteiger Uili Steck mit seinem amerikanischen Partner Don Bowie ein. Sie hatten das gleiche Ziel wie ich: den Everest ohne künstlichen Sauerstoff zu besteigen. Wir drei waren auch die einzigen, die ernsthaft versuchten, den Aufstieg ohne Sauerstoff zu wagen. Für die Zeit um den 20.Mai war ein Schönwetterfenster angekündigt, vor allem mit wenig bis gar keinem Wind. Das ist am Mount Everest ohne die Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff von immenser Bedeutung, ja sogar eine Voraussetzung, um überhaupt eine Gipfelchance zu haben. Mit künstlichem Sauerstoff befindet man sich physiologisch ja nicht auf 8850 Metern, sondern je nach Sauerstoffflussrate auf lediglich 6500-7500 Metern! Interessant zu beobachten war auch das Klientel, das auf den Everest will. Teilweise traf  man Leute, die ich als Bergführer nicht einmal auf einer Schitour in die Karnischen Alpen mitnehmen würde!

Am 18. Mai startete ich ins vorgeschobene Basislager auf 6400 Meter, ruhte mich dort einen lang Tag aus und kletterte am 20.Mai in fünf Stunden bis auf 7700 Meter. Alle anderen Gipfelaspiranten waren zwei Tage vorher gestartet und machten Zwischenstation auf dem 7000 Meter hoch gelegenen Nordsattel sowie in Lager 2 auf 7700 Meter und nochmals auf Lager 3 auf 8300 Meter. Auch Steck und Bowie waren einen Tag vor mir gestartet und wir trafen uns wieder auf 7700 Meter. Bis Mittag war der Himmel strahlend blau, doch plötzlich kam ein Sturm auf und ich verkroch mich in ein leerstehendes Zelt in der Hoffnung, bald wieder weiter klettern zu können. Der Sturm dauerte an und mir war klar, dass unter diesen Umständen ein Gipfelsturm ausgeschlossen ist. Nur mit einem Daunenoverall der Firma Carinthia bekleidet, wartete ich im Zelt ab! Erst um ein Uhr früh legte sich der Wind ein wenig und ich fing an, Tee zu kochen. Das ist eine langwierige Angelegenheit auf dieser Höhe. Gegen halb 3 Uhr kroch ich schließlich aus dem Zelt, hinaus in die bitterkalte Nacht. Der Schein meiner Stirnlampe wies mir den Weg und ich kam flott vorwärts. Etwa auf der Hälfte des Weges zu Lager 3 begegnete ich Niclas, einem Schweden, dem es nicht so gut ging und der umgedreht hatte. Bei Sonnenaufgang war ich schon auf 8300 Metern angekommen und gönnte mir eine kurze Pause. Die ersten Gipfelstürmer kamen bereits wieder zurück und verkrochen sich noch einmal in ihre Zelte, um vor dem weiteren Abstieg noch ein wenig zu rasten. Für mich hieß es, die letzten 550 Höhenmeter zu absolvieren und mir war klar, dass diese mir alles abverlangen würden. Ich deponierte meinen Rucksack, machte mich nur mit einer Trinkflasche im CARINTHIA DOWNY EXTREME OVERALL auf den Weg. Plötzlich kam mir Uili Steck entgegen und erzählte von seiner Umkehr auf 8700 Metern. Die Kälte hatte ihn aufgerieben, er war sichtlich enttäuscht!

Das Wetter hatte sich in der Zwischenzeit gebessert, der Himmel war strahlend blau und auch der Wind wehte nicht mehr - beste Bedingungen für mich. Ich hatte keinen Zweifel, dass ich es schaffen würde und auch die Uhrzeit machte mir keine Sorgen. Stetig aber immer langsamer kam ich voran, überkletterte den First Step und plötzlich sah ich die erste Leiche vor mir. Doch auch dieser Anblick brachte mich nicht aus der Ruhe, obwohl ich wusste, dass noch mehr davon kommen würden. Am Second Step, 8600 m, begegneten mir die letzten absteigenden Bergsteiger und ich hatte den Berg für mich alleine. Doch noch immer war der Gipfel weit weg. Jeder Schritt ein Schritt weniger und die Überzeugung es zu schaffen. Jetzt zahlte sich das harte Training vom Winter und die jahrzehntelange Erfahrung aus! Um halb drei am Nachmittag dann der Nordgipfel und die Gewissheit, es geht sich aus. Mein 2009 verstorbener Vater war mein imaginärer Begleiter der mich antrieb und auf einmal sah ich die Gebetsfahnen am höchsten Punkt der Erde. Ich konnte es kaum fassen, ich hatte geschafft wovon ich so lange geträumt hatte. Im ersten Moment unwirklich und doch wahr! 

Ich stand ohne künstlichen Sauerstoff am Dach der Welt und genoss den Moment, ein Gipfelerlebnis das ich so nicht kannte. Ich war dankbar und von der Umgebung fasziniert und verweilte eine halbe Stunde am Gipfel. Der Abstieg machte mir keine Sorgen, ich war überzeugt, dass er gelingen wird. Schon zweieinhalb Stunden war ich im Lager auf 8300 m und entschloss mich dort die Nacht zu verbringen. Von Sherpas wurde ich mit Kaffee verwöhnt und eine angenehme Nacht verging wie im Flug. Der nächste Morgen brachte einen Sturm mit ca. 100 km/h und der Abstieg erforderte höchste Konzentration. Ich hatte keine Eile mehr und ließ mir den ganzen Tag Zeit. Langsam spürte ich auch  Müdigkeit in mir aufsteigen. Im ABC-Lager freute ich mich nur über meinen warmen CARINTHIA ECC Expedition Schlafsack, in dem ich eine traumlose Nacht verbrachte. Nach einem Tag Rast stieg ich weiter ab ins Basislager und langsam verließen mich meine Kräfte. Der Abstieg dauert endlos lange und ich fühlte mich noch nie so geschafft. Plötzlich verstand ich,  wie es meinen Gästen manchmal auf einer Bergtour geht! Ich habe alles gegeben, meine Ziele erreicht, und ließ mich fallen und versuchte zu realisieren was mir gelungen war.

Gewiss wird dies noch lange dauern! Plötzlich im Club derer zu sein, die es ohne künstlichen Sauerstoff auf den Everest geschafft haben, auf einer Stufe mit Messner, Habeler, Kammerlander oder Kaltenbrunner zu stehen das macht mich glücklich und stolz zugleich.

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