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Das Schlafsack Einmaleins
Worauf kommt es bei der Auswahl des richtigen Schlafsacks eigentlich an. Siegfried Seitlinger (Retail Carinthia) erklärt worauf es ankommt.

Schlafsack Einmaleins

Welche Vor- und Nachteile bieten jeweils Kunstfaser- und Daunenschlafsäcke?

Die Daune besitzt dank ihrer Struktur einzigartige Eigenschaften. Dadurch ensteht ein sehr gutes  Verhältnis von Gewicht zu Isolationsleistung und Packmaß. Sie ist  klein komprimierbar, atmungsaktiv und vermittelt ein kuscheliges Gefühl. Der große Nachteil: Bei feuchten oder nassen Bedingungen verklumpt die Daunen und es kann nicht mehr ausreichend Volumen aufgebaut werden. Die Folge: Die Isolationsleistung sinkt massiv.

Gute Daune hat auch ihren Preis. Maßgeblicher Qualitätsfaktor ist die Bauschkraft (Fillpower), sie wird in CUIN angegeben. Schlafsäcke ab 700 oder 800 CUIN gehören zur absoluten Spitzenklasse.

Die Kunstfaser konnte sich erst in den letzten Jahren als Daunenersatz stark machen. Highloft Premium Isolationen aus Europa können mittlerweile sehr gute Füllkraft-Werte (in CUIN) erreichen, welche auch mit einer guten Daune vergleichbar sind. Zu dem bieten sie weitere Vorteile: Sie trocknen wesentlich schneller und sind pflegeleichter. Im Gegensatz zur Daune ist sie feuchtigkeitsunempfindlich und hat eine deutlich höhere Wärmeleistung bei Nässe. Zur Freude vieler ist sie auch für Allergiker bestens  geeignet.

Mein Fazit:
Wenn mich meine Kunden fragen welche Füllung die richtige ist, ist meine erste Frage der Temperaturbereich und das Einsatzgebiet. Da fällt meist die Entscheidung ob Daune oder Kunstfaser.

Die Schlafsack-Kollektion von Carinthia wurde komplett überarbeitet. So gibt es Daunenschlafsäcke von Carinthia erst ab einem Comfort Limit Temp. von – 7,5 °C. Grund dafür sind die damit verbunden Wetter- und Umweltbedingungen. In den meisten Gefilden kann es bis etwas unter null Grad regnen und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschen. Hierbei punkten die wichtigsten Vorteile der Kunstfaser. Hier kann die G-LOFT® Kunstfaser mit allen ihren Vorteilen überzeugen.

Bei tiefen Temperaturen regnet es nicht mehr, somit ist auch die Gefahr von Feuchtigkeitsquellen wesentlich geringer. Je tiefer die Temperatur um so mehr punktet die Daune durch ihre hohe Wärmeleistung und das vergleichsweise kleine Packmaß. Nicht umsonst setzten Extrem-Alpinisten und Bergsteiger bei kurzen Hochalpinen Touren oder Expeditionen auf Daune.

Produkte werden immer spezieller und das trifft auch auf die Schlafsäcke zu. Die richtige Wahl entscheidet schlussendlich das Einsatzgebiet.


Gewicht/Packmaß sind für Trekkingeinsätze essentiell: Doch welche Nachteile muss man bei besonders leichten Modellen mit kleinem Packmaß in Kauf nehmen?

Bei ultraleichten Schlafsäcken muss man immer nach einem gewissen Minimalismus streben, dies aber bei gleichbleibender Leistung und ohne Kompromisse einzugehen. Und genau das ist die Herausforderung. Wesentlich dabei sind die verwendeten Materialien und die Konstruktion im Inneren des Schlafsacks. Alle Komponenten vom Stoff bis zum Reißverschluss  müssen leichter und dünner werden. Zusätzliche Features die keinen Einfluss auf die Produktleistung haben werden entfernt. Der Nachteil liegt hierbei auf der Hand. Man muss etwas auf Komfort verzichten. Die Stoffe sind dünn und können leichter beschädigt werden. Einige Hersteller sparen an der Länge und Breite des Schlafsacks um an Gewicht zu sparen und so sind sie nicht für jedermann geeignet. Bei einem Vergleich zählen also nicht nur Wärmeleistung und Gewicht sondern auch die Maße des Schlafsacks.  Hervorzuheben ist auch, dass die Anschaffungskosten von Ultraleicht-Produkten durch den Einsatz von speziellen Materialen  höher sind. So kann ein Ultraleicht-Schlafsack um die 0°C teurer sein, als ein Winterschlafsack für tiefe Temperaturen.

Schlafsäcke gibt es in unterschiedlichen Formen: Welche Form ist für Trekkingeinsatz ideal?

Für Trekkingtouren empfehlen wir die Mumienform. Von allen Formen besitzt sie das beste Packmaß und Wärme-Gewichtsverhältnis. Besonders achten sollte man hierbei auf den Sitz der Kapuze. Der Mensch kann durch den Kopf sehr viel Wärme verlieren. Die Kapuze hat einen sehr großen Einfluss auf die Wärmeleistung und sollte bis auf ein kleines Loch zugezogen werden können. Ein integrierter Wärmekragen sorgt dafür, dass die Wärme im Schlafsack bleibt.

Wie findet man die passende Größe und wie wichtig ist diese?

Die Faustregel lautet: Je tiefer die Temperatur um so enger der Schlafsack. Sommerschlafsäcke dürfen durchaus größer ausfallen. Unabhängig von der passenden Länge oder Breite des Schlafsacks muss man folgende Grundsätze beachten. „Ein Schlafsack wärmt nicht, er speichert die Wärme.“ Je mehr leeren Raum ich in einem Schlafsack habe umso mehr Körperwäre muss ich aufbringen diesen zu erwärmen. Kauft man einen größeren Schlafsack damit man mit der ganzen Winterkleidung darin schlafen kann ist das kontraproduktiv, da die Körperwärme nicht bis in den Schlafsack dringen kann und gespeichert wird.

Wie soll man seinen Schlafsack behandeln und pflegen, damit er möglichst lange lebt?

Der Schlafsack sollte bei jeder Möglichkeit getrocknet, spätesten aber nach jeder Tour gelüftet werden, denn die Feuchtigkeit, die der Körper über Nacht abgibt, mindert die Isolationskraft und sorgt auf Dauer für einen unangenehmen Geruch. Jedes Produkt braucht eine passende Pflege. Den Schlafsack sollte man nur dann waschen  wenn es wirklich notwendig ist, denn jede Füllung – ob Daune oder Synthetik – verliert mit jeder Wäsche an Loft und Funktion.

Kunstfaserschlafsäcke sind besonders pflegeleicht und für Waschmaschine und Trockner geeignet. Das Fassungsvermögen der Waschmaschine sollte allerdings ein Füllgewicht von 7 kg haben. Wichtig ist dass  im Schonwaschgang gewaschen und kein Weichspüler verwendet wird. Den Schlafsack im Trockner nur mit niedriger Temperatur trocknen und ein überhitzen vermeiden.

Daunenschlafsäcke sollte man per Handwäsche reinigen. Am besten in einer Badewanne mehrere Stunden einweichen lassen  und einen Spezialdaunenwaschmittel verwenden um den natürlichen Fettgehalt der Daune zu erhalten. Ansonsten kann es zu einer Austrocknung der Daune führen und sie bricht. Den Schlafsack nie auswringen, immer ausdrücken. Danach  auf einen Wäscheständer legen und im Schatten trocknen. Das kann mehrere Tage dauern. Zwischendurch muss die verklumpte Daune mit den Fingern gelöst  und wenn notwendig in der Kammer verteilt werden. Wenn die Daune ganz trocken ist, kann man den Schlafsack zum Abschluss aufschütteln.

Woran erkennt man, dass ein alter Schlafsack ausgedient hat?

Anhand des Alters kann man einen Schlafsack nicht abschreiben. Es gibt sehr viele Outdoorbegeisterte die sich einen Schlafsack zulegen aber vielleicht nur 1-2 mal im Jahr verwenden. Wie vorhin erwähnt verliert ein Schlafsack unabhängig davon ob Daune oder Kunstfaser nach jedem Waschgang an Loft bzw. Bauschkraft. Erfahrungsgemäß schläft man nur selten im Comfort Limit Bereich da man sich in der Regel immer einen wärmeren Schlafsack für zusätzliche Sicherheit zulegt. Nach dem Motto „Lieber zu warm, als zu kalt.“ Daher sollte man ab und an bewusst daran denken, welche Temperaturen vorherrschten und wie das Schlafempfinden war. Hat man bereits weit vor dem angegeben Comfort Limit Temperatur mit erhöhtem Kälteempfinden zu klagen, sollte man an eine Neuanschaffung denken. Wann ein Schlafsack ausgedient hat entscheidet das persönliche Empfinden. Denn nur wenn man sich im Schlafsack wohlfühlt, hat man ausreichend Energie für den nächsten Tag.

Siegfried Seitlinger, Retail Carinthia

 


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